Zugegeben, mit dem Versand von LPs hat das hier wohl weniger zu tun, sondern eher damit, wie man seine ersteigerten oder gekauften Platten sauber bekommt, um sie wieder einwandfrei abspielen zu können.
Inzwischen hat sich wohl die Erkenntnis durchgesetzt, dass insbesondere ältere Platten entweder naß abgespielt oder zumindest grundgereinigt werden müssen. Der trocken mitlaufende Plattenbesen ist höchstens für neue Platten akzeptabel.
Die Zeitschrift Audio hatte (vor mehr als zwanzig Jahren) untersucht, was passiert, wenn Platten trocken oder naß gespielt werden. Durch die Reibung zwischen Diamantnadel und Rillenflanke entstehen beim trockenen Abspielen kurzzeitig hohe Temperaturen, welche das Vinyl verformen, was auf Dauer zu höherem Verschleiß der Platte führt. Das findet natürlich nur in mikroskopischen Bereichen statt. Bei naß abgespielten Platten wurde nicht nur der Staub ausgeschwemmt, sondern die Diamantnadel gleichzeitig gekühlt. Die Platte bleibt wie neu. Vorausgesetzt allerdings, sie wird immer naß abgespielt. Denn trocken kann man sie danach nicht mehr hören, so sehr knackst und knistert es. Um sie trocken wieder spielbar zu machen, ist eine Grundreinigung mit einer Plattenwaschmaschine erforderlich, das bekannteste Produkt stammt von der Fa. Knosti. Außerdem gibt es interessante Eigenbaulösungen, und diese hier sollte man sich unbedingt einmal ansehen: The Groove Laundry. Weitere Tipps zur Pflege und Reinigung von Schallplatten findet man auf www.vinyl-lebt.de.
Knacken und Knistern ist nichts Nostalgisches, es sind Störgeräusche, die den Musikgenuß trüben. Und es gibt definitiv keine Möglichkeit, Platten trocken sauber zu bekommen! Nicht mit Tüchern, nicht mit Bürsten und auch nicht mit diesem Gel aus der Dose, dem Disco-Film. Man bekommt das Zeug nie vollständig runter. Meine ältesten Platten sind inzwischen 30 Jahre alt, sie klingen noch wie neu, dank Naßabspielverfahren. Hier möchte ich kurz beschreiben, wie man's macht.
Blick in die Vergangenheit: Alles auf diesem Bild wurde in den frühen 80er Jahren gekauft. Auch wenn es vielleicht niemanden interessiert, ich sag's trotzdem: Der Plattenspieler ist ein Thorens TD 105, Riemenantrieb, mit einem Audio-Technica AT20. Hinten auf dem gefederten Chassis wurde der Naßläufer montiert. Thorens-Fans werden übrigens hier fündig: www.thorens-info.de
Nur so nebenbei: Es gibt junge Leute, in denen beim Anblick eines
Plattenspielers der DJ wach wird und sie sich fragen, ob man damit
wohl scratchen kann.
Wage es nicht! Kein
normaler Hifi-Spieler ist dafür geeignet! Wer eine solche Barbarei
über Vaters Vinylschätze und sein gehütetes Equipment
hereinbrechen läßt, wird in aller Regel kein Lob ernten. Man
braucht dazu einen Direkttriebler, der es verträgt, wenn man ihn
stoppt und zurückdreht, und einen Abtaster, der auch entgegen der
normalen Laufrichtung noch etwas abtastet, ohne ruiniert zu werden. Was
tatsächlich geeignet ist, läßt sich leicht ergoogeln.
Der Naßabspielarm: Er wird nah am Plattenteller montiert, damit er den gesamten Radius der Platte überstreichen kann. Die Höhe wird mit der Justierschraube (unter dem Tank zu sehen) so eingestellt, dass der Arm leicht nach vorne hin geneigt ist. Unter dem schwarzen Tank befindet sich ein Gegengewicht. Dieses Gewicht ist nur eingeklipst und könnte verloren gehen. Beim Kauf eines gebrauchten Lencoclean also darauf achten, dass es noch an seinem Platz ist.
Die richtige Menge:
Hier kann man es sehen,
nur die Spur unter dem Tonabnehmer ist befeuchtet. Die äußeren
Rillen sind bereits wieder trocken. Die Dosierung läßt sich mit
einem kleinen Hebel am Kopf einstellen (wenn er nicht -wie hier- abgebrochen
ist). Es macht keinen Sinn, die ganze Platte zu fluten und den Rest wieder
abzuwischen. Das ist Verschwendung von Abspielflüssigkeit und ein
zusätzlicher, unnötiger Arbeitsgang.
Der gezeigte Lencoclean wird nicht mehr hergestellt, es gibt aber einen
Nachbau von der Fa. Wittner. Achtung: Originale Lencoclean sind gesuchte
Artikel! Gut erhaltene Exemplare lassen sich problemlos bei eBay
verkaufen. Man findet dort sogar noch welche, die unbenutzt und
originalverpackt sind. Das Gleiche gilt auch für die originale
Abspielflüssigkeit.
Es kann vorkommen, dass der Naßläufer sich spontan wie von Geisterhand zum Ende der Platte bewegt, um dort fleißig die Auslaufrille zu befeuchten. In dem Fall hat sich loser Staub unter dem Bürstchen angesammelt, den man vorsichtig entfernen muß.
Die Mischung macht's: Originale Abspielflüssigkeit ist teuer, billiger ist es, selber zu mixen. Von der Zeitschrift Audio wurde einst ein Mischungsverhältnis von 40% Alkohol und 60% destilliertem Wasser empfohlen. Das hat sich bewährt und ich habe es bis heute beibehalten. Der Staub wird dabei einwandfrei aus der Plattenrille gelöst, die Flüssigkeit trocknet zügig wieder ab. Das Mischungsverhältnis läßt sich mit einer leeren Lencoclean-Flasche (250ml) sehr einfach herstellen: Man gibt 100ml Alkohol in die Flasche und füllt den Rest mit dest. Wasser auf, dann hat man 40:60.
Das ist übrigens nicht für Schellackplatten geeignet! Deren Oberfläche wird vom Alkohol zerstört.
Darauf achten, dass immer genug Alkohol im Haus ist:Man benötigt Isopropylalkohol oder Isopropanol, das ist Reinigungsalkohol und man bekommt ihn in jeder Apotheke. Ebenfalls gut geeignet wäre Ethanol, der ist allerdings auch für den menschlichen Genuß geeignet, und damit keiner auf die Idee kommt, sich billigen Schnaps aus der Apotheke zu holen, wird er entsprechend hoch besteuert. Ethanol ist deshalb viel zu teuer. Ob Spiritus geeignet ist, kann ich nicht sagen. Das ist ebenfalls Ethanol, aber mit Zusätzen, die ihn ungenießbar machen. Ich würde ihn schon wegen des starken Geruchs nicht verwenden. Die Wohnung muß ja nicht wie eine Schnapsbrennerei riechen, wenn man seine Platten naß abspielt.
Den Alkohol nie in leere Getränkeflaschen abfüllen! Für die Erstausstattung bekommt man in der Apotheke für wenig Geld eine neue Flasche mit 1/2 oder 1 Liter Inhalt, einschließlich Inhaltskennzeichnung und Warnhinweisen. Nur die nimmt man später wieder mit und läßt sie nachfüllen.